{"id":130,"date":"2022-03-20T23:09:55","date_gmt":"2022-03-20T22:09:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.hafelja.de\/?p=130"},"modified":"2022-05-02T22:29:31","modified_gmt":"2022-05-02T20:29:31","slug":"7-ist-verdamt-anstrengend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hafelja.de\/?p=130","title":{"rendered":"7. \u2026 ist verdammt anstrengend&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>Damit hat der zweite Tag nach dem Koma offiziell begonnen. Die Fr\u00fchschicht bekommt von<strong> <\/strong>der Nachtschicht die n\u00f6tigen Informationen zu den einzelnen Patienten und es wird verteilt, wer sich um wen k\u00fcmmert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann werden die Patienten nacheinander versorgt. Auch ich werde gewaschen, bzw feucht am ganzen K\u00f6rper mit den desinfizierenden Einmalwaschlappen grundgereinigt. Brrr &#8211; Feuchtigkeit auf fiebriger Haut &#8211; KALT! Aber das hatten wir ja bereits gestern und es ist heute keinen Deut angenehmer!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bettw\u00e4sche wird komplett gewechselt. Ich habe sie gestern und in der Nacht auch ordentlich durchgeschwitzt. Das Fieber ist n\u00e4mlich noch immer nicht runter. So viel bewegt werden und versuchen zu helfen ist auch heute verdammt anstrengend.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Fr\u00fchst\u00fcck gibt es Brei, denn der Hals ist durch den Schlauch vom Intubieren ja noch gereizt. Wobei ich nicht sagen k\u00f6nnte, dass ich wirklich Schmerzen habe oder dergleichen. Ich merke nur, dass die Stimme nicht ganz so will, wie sie soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Essen sitze ich auf dem Nachtstuhl, damit der Kreislauf mal wieder was zu tun kriegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe keinen Hunger und das Brei L\u00f6ffeln ist echt anstrengend. Die Schwester hilft mir beim ein oder anderen L\u00f6ffelchen. Aber eigentlich will ich das ja auch selber schaffen. Nach h\u00f6chstens dem halben Sch\u00e4lchen, in dem eigentlich auch gar nicht viel drin ist, streiche ich die Seegel. Mehr geht nicht. Mein Magen hat ja auch die letzten 11 Tage nichts bekommen. Der ist also gar nicht mehr gew\u00f6hnt, dass er was tun muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Morgen pl\u00e4tschert so dahin. Als es etwas sp\u00e4terer Vormittag ist, nehme ich das Handy und rufe meine Eltern an, per Video-Call. Immerhin haben wir uns echt lange nicht gesehen, auch wenn ich einen Teil der Zeit verschlafen habe. Ich merke, dass sie sich echt freuen, ihr T\u00f6chterchen mehr oder weniger quicklebendig wieder zu sehen. Ich sehe zwar garantiert furchtbar aus, aber ich glaube, das ist ihnen im Moment ziemlich egal. Ich bin auch froh, sie zu sehen. Zwar ist das Handy echt verdammt schwer, wenn man es so vor sich h\u00e4lt, um im Blickwinkel der Kamera zu sein, aber das muss jetzt einfach mal sein. Lange halte ich sowieso nicht durch. Aber kurz ein wenig erz\u00e4hlen, h\u00f6ren, wie es daheim allen so geht, wer mich lieb gr\u00fc\u00dfen l\u00e4sst, dann brauche ich wieder eine Pause. Es tut echt gut, neben all den vermummten \u201cPinguinen\u201d und \u201cAliens\u201d mal wieder vertraute Gesichter zu sehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann kommt das Mittagessen. Zur Abwechslung gibt es Brei und Pudding. Ich bin echt froh, dass ich gerne Brei esse. Aber wirklich Hunger habe ich trotzdem nicht. Wen wunderts. Der Magen war die letzte Zeit ja recht unbesch\u00e4ftigt. Da hatte er gut Zeit, sich mal wieder ein wenig zusammen zu ziehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Tag pl\u00e4tschert &#8211; wie der Morgen &#8211; weiter so dahin. Immer wieder kommt jemand, um Infusionen nachzulegen, Blut abzunehmen &#8211; das geht am Arterienkatheter echt gut. Da brauchts keine Zusatzl\u00f6cher im Arm, was ich erfreut zur Kenntnis nehme.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwie habe ich noch immer das Gef\u00fchl, dass vom Vortag noch Reste von der Galle im Linken Ohr stecken. Es klingt, wenn ich den Kopf drehe ein wenig so, wie nach dem Schwimmen, wenn man Wasser im Ohr hat. Mit einem Wattest\u00e4bchen, das mir eine Schwester netterweise reicht, versuche ich, das irgendwie zu beheben. Das ist gar nicht so einfach, wenn man eigentlich so schwach ist, dass man den Arm kaum heben kann, geschweige denn zielgerichtet damit im Ohr zu bohren. Ein wenig \u201cwas auch immer\u201d hole ich erfolgreich aus dem Ohr. Aber wenn ich meinen Kopf ein St\u00fcck nach links drehe, fahre ich trotzdem irgendwie Karussell. Ob das mit dem Zugang an der Hals &#8211; Vene zu tun hat? Keine Ahnung! Aber dann schaue ich eben nicht so weit nach links die rechte Seite ist zum Schlafen eh besser.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Leider tun mir die Schultern ziemlich weh. Warum, wei\u00df ich anfangs nicht so genau &#8211; wohl von der Bauchlagerung w\u00e4hrend des Komas &#8211; , aber auf der Seite liegen ist definitiv nicht so angenehm, wie ich es gerne h\u00e4tte. Allerdings ist die ganze Zeit auf dem R\u00fccken liegen ja auch nicht gut. Die Schwestern versuchen schon immer wieder, mich davon zu \u00fcberzeugen, dass ich mich drehe, damit ich mich nicht wund liege. Also drehe ich mich immer mal wieder nach rechts, auch wenn die Schulter weh tut und der Linke Fu\u00df dann irgendwie immer wieder einschl\u00e4ft. Aber dem R\u00fccken immer mal eine kurze Pause zu geben, schadet wohl nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder ziehe ich mich an meinem \u201cGalgen\u201d nach oben, weil ich im Bett nach unten rutsche. Selber hoch robben klappt n\u00e4mlich nicht. Das Hochziehen ist zwar auch echt anstrengend, aber so geht es zumindest immer mal ein St\u00fcck nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p>Meinen Blasen-Katheter bekomme ich im Laufe des Tages auch gezogen. Ab jetzt hei\u00dft es also entweder Bettpfanne oder Nachtstuhl. Da aufstehen noch viel zu langsam geht und eindeutig zu anstrengend ist, ist die Bettpfanne vorerst meine erste Wahl. Na das kann ja heiter werden!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem der Katheter drau\u00dfen ist, fragt mich die Schwester, ob ich eine Unterhose anziehen m\u00f6chte. Ich \u00fcberlege kurz und komme zu dem Schluss, dass das gerade absolut \u00fcberfl\u00fcssig w\u00e4re. Ich liege sowieso den ganzen Tag im Bett und habe die Decke dr\u00fcber. Da w\u00e4re ein zus\u00e4tzliches Kleidungsst\u00fcck an sich schon nicht n\u00f6tig, zumal ich sowieso die meiste Zeit vom Fieber schwitze. Au\u00dferdem w\u00e4re das ein Teil mehr, das ausgezogen werden will, wenn ich mal muss.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>NEIN! Ich brauche gerade definitiv keine Unterw\u00e4sche, nur die dicken Wollsocken, die sind goldwert! Denn auch, wenn der Rest meines K\u00f6rpers recht konstant vor sich hin fiebert, habe ich beinahe Eisbeine. Was bin ich froh, dass ich die selbst gestrickten Socken eingepackt habe. So tauen meine F\u00fc\u00dfe nach und nach wenigstens auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe des Tages lasse mir wieder einen Wlan Zugang f\u00fcr mein Handy geben. Mein alter Zugang ist n\u00e4mlich abgelaufen, was ich auch erst nach viel herum Probieren und Scheitern feststelle. Mit Hilfe des Pflegepersonals wird das Zugangsproblem aber dann beseitigt und da mein Zimmerchen quasi direkt unter dem WLan-Router liegt, habe ich einen astreinen Empfang. Den will ich nat\u00fcrlich auch nutzen. Meine Eltern d\u00fcrfen ihre Tochter nun h\u00e4ufiger sehen, Whatsapp machts m\u00f6glich! Ich sehe zwar sicher wieder grauenhaft aus, aber ich glaube, das ist ihnen auch jetzt noch immer schnurzegal. Es ist wieder verdammt anstrengend, das Telefon richtig zu halten, aber sie zu sehen und zu h\u00f6ren, tut auch mir gut. Insgesamt telefoniere ich heute schon relativ viel. Mein Mann erz\u00e4hlt mir am Telefon, dass die \u00c4rzte ihm gesagt haben, dass er mich durchaus am Telefon fordern darf. Schlie\u00dflich ist das ein gutes Training f\u00fcr die Lunge. Umso besser, dass ich so eine Quasselstrippe bin. Auch wenn ich noch nicht ansatzweise mein altes Stimmvolumen habe. Eine Kollegin, mit der ich irgendwann an diesem Tag telefoniere, ist dennoch begeistert, dass ich ja schon wieder klinge, wie eh und je.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe des Tages und der Nacht bekomme ich auch zunehmend mehr mit, was so um mich herum geschieht. Irgendwo nebenan liegt jemand, der wohl auch beatmet wird, so wie das bei mir der Fall war. In einem anderen Zimmerchen will ein Herr nicht auf den Nachtstuhl gehen, wenn eine Schwester hilft. Da nutzt er lieber die Bettflasche. Er geht nur mit einem Pfleger auf den Nachtstuhl &#8211; bl\u00f6d nur, dass da gerade keiner Dienst hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch, dass es mit dem einen oder anderen Patienten zu Ende geht, bekomme ich mit. Ich wei\u00df zwar nicht, woran sie jeweils gestorben sind. Aber es ist schon traurig, denn sie waren alle mehr oder weniger alleine. Da bin ich umso dankbarer, dass es f\u00fcr mich noch nicht an der Zeit ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich nutze die viele Zeit, die ich ja grade so habe, um immer wieder Nachrichten zu schreiben. Es gibt ja so viele zu beantworten und so vergeht wenigstens die ein oder andere Stunde. Ein paar Nachrichten beantworten, Ausruhen, ein paar Nachrichten beantworten,&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber noch immer f\u00fchle ich mich unendlich schwach und ausgelaugt. Ich h\u00e4tte echt nicht gedacht, dass man sich so schwach und KO f\u00fchlen kann, obwohl man den ganzen Tag quasi nichts getan hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Am fr\u00fchen Abend bringt die f\u00fcr mich zust\u00e4ndige Schwester eine gro\u00dfe, in goldpapier eingepackte Kiste in mein Zimmerchen. Das Paket hat jemand f\u00fcr mich abgegeben. Wer das wohl war? Neugierig bin ich schon und ich w\u00fcrde es ja gerne auspacken, aber daf\u00fcr reicht die Kraft nicht einmal ansatzweise. Au\u00dfen auf der Kiste steht unter anderem \u201cGenug sch\u00e4fchen gez\u00e4hlt\u201d. Ja das ist nach elf Tagen eindeutig wahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Netterweise nimmt sich die Schwester Zeit, um das Paket f\u00fcr mich auszupacken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Ein selbst gen\u00e4hter Leseknochen\u2026. \u201cna den lassen wir am besten erstmal in der Kiste, oder? damit er hier nicht eingesaut wird\u201d&#8230;. Ich habe eine Ahnung, wer den gen\u00e4ht haben k\u00f6nnte. Er sieht jedenfalls toll aus\u2026.mit Sch\u00e4fchen und Blumen drauf. Einfach super!<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; ein d\u00fcnner Ordner mit \u2026\u201dist wohl von ihren Kollegen, na aber das m\u00fcssen sie sich selber ansehen, wenn sie mal sitzen\u2026 ach das ist ja sch\u00f6n!\u201d &#8211; um hier mal sinngem\u00e4\u00df die Schwester zu zitieren &#8211; Damit kann ich jetzt gerade erstmal nicht viel anfangen, aber es best\u00e4tigt meine Vermutung, woher der Leseknochen kommen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Eine ganze Ladung M\u00fcsliriegel\u2026. \u201cna sowas, aber die k\u00f6nnen Sie jetzt aber ja noch gar nicht essen\u201d&#8230; Stimmt, kann ich nicht, aber den Wink mit dem Zaunpfahl, habe ich trotzdem verstanden:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der Schule bin ich bekannt daf\u00fcr, dass ich IMMER eine Ladung M\u00fcsliriegel verschiedenster Geschmacksrichtungen in meinem Fach im Lehrerzimmer bunkere und jede Kollegin wei\u00df, dass man bei mir, wenn der Hunger zuschl\u00e4gt, jederzeit einen Riegel bekommt. Ich bin sozusagen die wandelnde Notration f\u00fcrs Kollegium. Und jetzt haben sie den Spie\u00df umgedreht und versorgen einfach mal mich. Ich hab schon tolle Kollegen!!<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; zwei bemalte Ostereier \u2026. \u201cAch die h\u00e4ng ich doch gleich hier an ihren Galgen, dann haben sie was davon und sehen sie.\u201d Juhu\u2026 jetzt hab ich doch noch ein wenig Ostern, wenn ich es schon verpennt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin total begeistert von meinem Paket. Auch wenn ich noch gar nicht wei\u00df, was in dem Ordner genau drin ist. Aber dass \u00fcberhaupt ein Paket f\u00fcr mich gekommen ist, und dann noch mit so tollen Sachen. Einfach gigantisch!!! Auch wenn bereits das Zuschauen beim Auspacken echt anstrengend ist.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cEigentlich m\u00fcsste man da jetzt ein Foto machen, wo ich die ganzen Sachen halte, damit die Kolleginnen wissen, dass es auch angekommen ist\u201d, sage ich zur Schwester und die stimmt mir zu. \u201cWissen Sie was, ich wasche ihnen nachher die Haare. Das wollten wir ja sowieso die Tage mal wieder machen. Dann flechte ich Ihnen die Haare ein. Sowas mache ich gerne und au\u00dferdem ist das eh viel praktischer, wenn sie den ganzen Tag hier liegen. Dann sind die Haare verr\u00e4umt und wir haben die n\u00e4chsten Tage keine Probleme damit.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich nicht so schlapp und m\u00fcde w\u00e4re, w\u00fcrde ich der Schwester jetzt am liebsten um den Hals fallen wollen. Allerdings bezweifle ich durchaus, dass sie gerade eine Umarmung von mir m\u00f6gen w\u00fcrde. Immerhin bin ich noch immer nicht sicher negativ getestet. Das Ergebnis vom Zweiten Test, der wohl gemacht wurde, als ich noch geschlafen habe, steht noch aus, trudelt aber sp\u00e4ter noch ein &#8211; negativ&#8230;Hurra!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Zeit sp\u00e4ter setzen wir den Plan in die Tat um. Mein Part klingt da ja sehr leicht. Ich stehe mit Hilfe der Schwester wackelig auf, plumpse auf den Nachtstuhl und lege den Kopf nach hinten, w\u00e4hrend die Schwester mit Handt\u00fcchern, Waschsch\u00fcssel, meiner Shampoo-Seife und Wasser bewaffnet anr\u00fcckt, um meine Haare zu waschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man m\u00f6chte es nicht glauben, aber da sitzen, den Kopf nach hinten legen und dabei reden ist echt anstrengend. Am liebsten w\u00fcrde ich jetzt wieder im Bett liegen. Aber ich will ja auch das Foto f\u00fcr die Kolleginnen machen und wie hei\u00dft es so treffend: Wer sch\u00f6n sein will, muss leiden! &#8211; Und das tue ich in dem Moment wirklich. Es ist so unglaublich anstrengend, den Kopf nach hinten zu halten, da zu sitzen und \u00fcberhaupt, einfach ALLES!!!<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Waschen ist es ja leider nicht getan. F\u00f6nen und dann frisieren und flechten stehen ja auch noch aus. Als die Schwester endlich fertig ist, bin ich heilfroh. Die frisch gewaschenen Haare f\u00fchlen sich echt gut an, aber die ganze Prozedur war, wie so ziemlich alles seit ich aufgewacht bin, unsagbar anstrengend und ich musste zwischendurch echt die Z\u00e4hne zusammenbei\u00dfen, um nicht zu sagen \u201cK\u00f6nnen wir schluss machen, ich kann nicht mehr!\u201d Aber nun sehe ich schick aus. Glaube ich jedenfalls. Zum Beweis macht die Schwester mit meinem Handy ein Foto von meinem Kopf von allen Seiten, damit ich auch sehen kann, was sie da f\u00fcr eine tolle Frisur gezaubert hat. Ich habe rechts und links jeweils einen am Kopf entlang geflochtenen Zopf und am Ende laufen beide an der rechten Seite zusammen. Ja, an der Seite und nicht in der Mitte, damit es beim Schlafen nicht dr\u00fcckt. Da macht sie mir die tolle Frisur und denkt dabei sogar noch dar\u00fcber nach, wie es am praktischsten ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin begeistert, von dieser Schwester und von der Frisur. Eigentlich fehlt nur noch das Dirndl, dann k\u00f6nnte ich aufs Oktoberfest gehen\u2026Wenn ich nicht so elendig schwach w\u00e4re.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die freundliche Schwester drapiert alle Geschenke auf meinem Scho\u00df und macht dann ein Foto von mir. Ich sehe &#8211; abgesehen von der wirklich schicken Frisur- echt schei\u00dfe aus. Aber so ein OP-Hemdchen ist jetzt modisch ja auch nicht der letzte Schrei und wenn man krank ist, sieht man nunmal oft nicht ganz so gut aus. Die Kabel und Schl\u00e4uche runden das Gesamtbild jetzt auch nicht unbedingt positiv ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bedanke mich herzlich bei der Schwester. Die ganze Aktion war zwar wirklich ein gef\u00fchlter Marathon, aber immerhin habe ich jetzt eine tolle Frisur und ein Foto f\u00fcr die Kolleginnen, denen ich auch sofort das Bild, liebe Gr\u00fc\u00dfe und ein dickes Dankesch\u00f6n schicke.<br>Auch meine Familie bekommt das Bild und wenig sp\u00e4ter einen telefonischen Bericht \u00fcber die Ereignisse. Auch wenn ich bisher nur einen Teil des Geschenkes gesehen habe und das innere des Ordners noch ein Geheimnis ist, dass ich vielleicht dann am n\u00e4chsten Tag l\u00fcften werde, freue ich mich total. Ich wei\u00df ja, dass ich meine Kolleginnen echt klasse sind, aber dass sie so an mich denken\u2026.. einfach sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Ruhepause beantworte ich wieder ein paar der \u00e4lteren Nachrichten. Hier fragt jemand, was los ist, weil man mich nicht mehr online sieht, dort fragt jemand, ob es mir besser geht und dann, was los ist, weil ich nicht antworte\u2026. Naja\u2026 w\u00e4hrend des Komas ging das so schlecht irgendwie\u2026 Jetzt erkl\u00e4re ich eben kurz &#8230;sehr, sehr kurz, was los ist, was letztlich nicht unbedingt dazu f\u00fchrt, dass die Nachrichten weniger werden, weil meistens ziemlich postwendend die recht entsetzte Antwort kommt. \u201cWAS? So schlimm?&#8230; Gottseidank lebst Du noch\u2026. wie gehts dir denn?&#8230; \u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Der fr\u00fche Abend kommt, der Schlaf leider wieder nicht. Eine Schwester schaltet mir den Fernseher an und gibt mir einen Kopfh\u00f6rer, damit ich auch h\u00f6re, was passiert. Vielleicht beruhigt mich das ja ein wenig. Mein Puls ist noch immer viel zu hoch und wirklich erholsam schlafen ist echt im Moment ein Fremdwort. Sicher bin ich den Tag \u00fcber immer wieder eingenickt. Aber das ist nicht zu vergleichen mit einer ordentlichen M\u00fctze voll Schlaf.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch an diesem Abend jammere ich wieder, dass ich nicht schlafen kann. Diesmal bekomme ich eine Schlaftablette. Wenn das die gleichen sind, die ich auf Station bekommen habe, dann wird die einen \u00e4hnlichen Effekt wie Smarties haben, nur dass die wenigstens bunt sind und nach Schokolade schmecken. Aber was solls. Ich schlucke sie und wenig sp\u00e4ter merke ich auch wieder, dass der Kopf schwurbelig wird\u2026 meine Dr\u00f6hnung habe ich also offensichtlich bekommen, aber einschlafen kann ich trotzdem nicht.<br><br>Ich h\u00f6re wie sich ein Pfleger und eine Schwester unterhalten \u201cMorphine und eine Schlaftablette? Ist das nicht ein bisserl viel? &#8211;&nbsp; Naja, der Arzt hats so aufgeschrieben und die Tablette hat sie grade schon geschluckt. &#8211; Joa, mei ist jetzt halt so. Sie hat ja auch viel durchgemacht! g\u00f6nnen wir ihr den Trip\u201d&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4rs, wenns richtig wirken w\u00fcrde. Aber au\u00dfer, dass der Kopf ein wenig schwurbeliger und schwammiger ist, als tags\u00fcber, ist nicht viel anders.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe wieder ein Tuch erbeten, um mir die Augen zuzudecken. Gegen das elendige Spa\u00dfprogramm hilft das nat\u00fcrlich wieder nicht, das habe ich ja gestern schon festgestellt. Aber zumindest das Licht von drau\u00dfen am Gang st\u00f6rt so etwas weniger.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder sehe ich, dass der Zeiger der Uhr ein paar Minuten weiter wandert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich doch nur schlafen k\u00f6nnte, aber die Zeit vergeht seeeeehr langsam. Ich h\u00f6re wieder, wie das Pflegepersonal sich drau\u00dfen unterh\u00e4lt. \u201c&#8230;und? Schl\u00e4ft sie schon? &#8211; Ne, als ich gerade geschaut habe, hatte sie die Augen noch offen!\u201d&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sag doch, dass ich nicht schlafen kann. Aber der Pfleger wollte das heute morgen ja nicht glauben. Irgendwann klingelt mal wieder meine Blase. Ist ja auch kein Wunder. Immerhin laufen noch immer munter Infusionen in mich rein und ich trinke jetzt ja zus\u00e4tzlich auch noch reichlich Tee. Um diese nachtschlafende Zeit will ich nat\u00fcrlich nicht aufstehen, also ist es mal wieder an der Zeit in die Bettpfanne\u2026. naja\u2026 auch das geht, wenn es muss.<br><br>Wenig sp\u00e4ter h\u00f6re ich drau\u00dfen wieder leises Reden. \u201cJetzt schl\u00e4ft sie aber, oder? &#8211; Nein, die ist wirklich wach. Sie hat grade nach einer Bettpfanne verlangt\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>SAG ICH DOCH!!! ICH KANN NICHT SCHLAFEN\u2026.jedenfalls nicht so richtig.. Irgendwann schlummere ich dann doch mal ein. Ich bin dabei, wie an dem High-Tech-Ged\u00f6ns weiter entwickelt wird, das mein Gehirn besch\u00e4ftigt h\u00e4lt. Sehe das alles in Farbe und bunt, wie daran weitergearbeitet wird, die Projektionstechnik zu verbessern, und die Spiele und \u00fcberhaupt. Wie schon des \u00f6fteren stelle ich wieder fest, dass ich noch immer zu bl\u00f6d bin, mich in die Spiele einzuklinken. Diesmal ist ein anderes Spiel geschaltet. Aber ich kann wieder nur zuschauen, weil ich es nicht schaffe, mich ins Spiel einzuloggen. Dann schaue ich wieder auf die Uhr. Viel Zeit ist nicht vergangen. Ich liege immer noch wach, oder wieder. Wer wei\u00df das schon so genau? Irgendwann schlummere ich noch einmal ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ist auch schon wieder der fr\u00fchmorgendliche Kontrollrundgang und ich bin wieder wach. Diesmal glaubt man mir zumindest, dass ich nicht gut geschlafen habe\u2026.trotz Morphinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Damit hat der zweite Tag nach dem Koma offiziell begonnen. Die Fr\u00fchschicht bekommt von der Nachtschicht die n\u00f6tigen Informationen zu den einzelnen Patienten und es wird verteilt, wer sich um wen k\u00fcmmert.&nbsp; Dann werden die Patienten nacheinander versorgt. Auch ich werde gewaschen, bzw feucht am ganzen K\u00f6rper mit den desinfizierenden Einmalwaschlappen grundgereinigt. Brrr &#8211; Feuchtigkeit auf fiebriger Haut &#8211; KALT! Aber das hatten wir ja bereits gestern und es ist heute keinen Deut angenehmer! Die Bettw\u00e4sche wird komplett gewechselt. Ich&#8230;<\/p>\n<p class=\"read-more\"><a class=\"btn btn-default\" href=\"https:\/\/blog.hafelja.de\/?p=130\"> Read More<span class=\"screen-reader-text\">  Read More<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,5],"tags":[],"class_list":["post-130","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-corona"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.hafelja.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.hafelja.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.hafelja.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hafelja.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hafelja.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=130"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.hafelja.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":132,"href":"https:\/\/blog.hafelja.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130\/revisions\/132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.hafelja.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=130"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hafelja.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=130"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hafelja.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=130"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}